Was ist MinNoBeck?

  • Print

 

MinNoBeck ist ein Akronym für das Forschungsvorhaben "MinNoBeck – Ressourcenpotenzial verdeckter hydrothermaler Mineralisationen im Norddeutschen Becken". An dem auf drei Jahre ausgelegten Projekt sind vier Partner aus der Wissenschaft und mehrere Industriepartner beteiligt. Die Projektkoordination liegt bei der Jacobs University Bremen. Weiterhin sind die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die Georg-August-Universität Göttingen und das Deutsche GeoForschungsZentrum (GFZ) Potsdam direkt beteiligt. MinNoBeck wird im Rahmen der Fördermaßnahme „r4 - Innovative Technologien für Ressourceneffizienz – Forschung zur Bereitstellung wirtschaftsstrategischer Rohstoffe“ durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.


Karte des Norddeutschen Beckens

 Karte des Norddeutschen Beckens im europäischen struktur-geologischen Kontext. ©2016 P. Nadoll


 

Worum geht es bei MinNoBeck?

Die deutsche Wirtschaft ist stark von einer nachhaltigen und sicheren Versorgung mit mineralischen Rohstoffen abhängig. Lagerstätten solcher Rohstoffe gibt es möglicherweise unter Kilometern von Sedimentbedeckung in Norddeutschland. Im Rahmen des Projektes sollen mittels modernster geowissenschaftlicher Analytik solche potenziellen Lagerstätten von Hochtechnologiemetallen erkundet und metallogenetisch erforscht werden. Dabei steht nicht nur die Frage im Vordergrund, welche Mineralisationen vorliegen. Vor allem will das Projekt klären, wie diese Minerale unter Mitwirkung heißer Wässer gebildet wurden und so neue Ideen zum Auffinden verdeckter Lagerstätten entwickeln.

Die deutsche Wirtschaft ist heute mehr als jemals zuvor von einer nachhaltigen und sicheren Versorgung mit mineralischen Rohstoffen abhängig. Vor allem Hochtechnologiemetalle, das heißt Metalle mit einer expliziten Anwendung in Hochtechnologiebereichen wie z.B. Windenergie oder Elektromobilität, sind stark nachgefragt. Zu diesen wirtschaftskritischen Hochtechnologiemetallen gehören die Seltenen Erden, welche vor allem in allen Arten von Displays und in den letzten Jahrzehnten verstärkt auch durch die Energiewende im Bereich regenerativer Energien (Windkraft etc.) benötigt werden, und auch bislang eher „exotische“ Elemente wie Scandium, Indium, Germanium und Gallium. All diese Elemente findet man nur selten in wirtschaftlich abbaubaren Konzentrationen, also in Erzlagerstätten. Der Bergbau der Seltenen Erden beispielsweise beschränkt sich im Wesentlichen auf einige wenige Fördergebiete in China sowie untergeordnet den USA, Indien und Russland. Ähnlich verhält es sich bei vielen weiteren wirtschaftskritischen Hochtechnologiemetallen. Die deutsche (und europäische) Wirtschaft ist damit direkt abhängig von diesen Förderländern und kann Versorgungsschwankungen und –engpässe nur schwer ausgleichen. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Zukunftsstandorts Deutschland zu erhalten und zu fördern, ist die deutsche Industrie auf eine verlässliche Versorgung mit Rohstoffen angewiesen. Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen sind wirtschaftlich relevante Lagerstätten von Hochtechnologiemetallen im mitteleuropäischen Raum bislang aber nicht bekannt.

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes „MinNoBeck – Ressourcenpotenzial verdeckter hydrothermaler Mineralisationen im Norddeutschen Becken“ sollen jetzt erstmals Gesteinsproben aus Bohrungen (sogenannte Bohrkerne) aus dem Untergrund des Norddeutschen Beckens, das sich von der Nord- und Ostsee bis an den Rand der Mittelgebirge im Süden erstreckt, mittels modernster geowissenschaftlicher Analysemethoden im Hinblick auf potenzielle Lagerstätten von Hochtechnologiemetallen erkundet werden. Dass es Anreicherungen von Erzmineralen gibt, ist durch Bohrungen bereits bekannt, aber sie sind bisher nicht systematisch untersucht worden. Für MinNoBeck steht nicht nur die Frage im Vordergrund, welche Mineralisationen auftreten und welche Elemente sie enthalten, sondern es sollen auch grundlegende Konzepte zur Bildung und zum Auffinden von verdeckten, d.h. tiefliegenden und von Sedimenten bedeckten, Lagerstätten von Hochtechnologiemetallen entwickelt werden.

 Das Potenzial des Norddeutschen Beckens an wirtschaftskritischen Metallen ist trotz der Indizien für derartige Vorkommen bislang kaum untersucht worden. Dank unserer Industriepartner ist es nun erstmals möglich, Explorationsbohrkerne der Erdöl- und Ergasindustrie unter diesem Gesichtspunkt zu untersuchen und für die Erkundungs- und Forschungsvorhaben im Rahmen von MinNoBeck zu nutzen. Dadurch wird es möglich, die Entstehung von Metalllagerstätten in den tiefen Teilen von Sedimentbecken besser zu verstehen und das Potenzial des norddeutschen Beckens an derartigen Lagerstätten zu bewerten.

 


 

Interaktive Karte mit geologischen Features im Bereich des Norddeutschen Beckens. © 2016 P. Nadoll

Verschiedene Layer können über das Auswahlmenü (links oben) ausgewählt werden.